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mein Weg 

Dieser niemals abschliessende & sehr eng gefasste Einblick auf meine Heilungsreise ist im Zusammenhang für ein Buchprojekt entstanden. Ich habe mich entschieden diesen Einblick auch hier zu gewähren, möglicherweise schenkt der Text jemandem die Hoffnung, die er oder sie gerade in diesem Augenblick braucht:

Ich zögere immer, Einblick in meine Geschichte zu gewähren, ich mag mich eher nach vorne ausrichten. Aber ich habe Lust, Mut zu verschenken & Vertrauen zu streuen. Ich freue mich, wenn viele Wege dokumentiert werden, die Linderung gebracht & zu mehr Kraft geführt haben. Wir sind viele & oft wird kranken & chronisch kranken Menschen zu selten gesagt: Du bist nicht allein, wir sind für dich da, hab Vertrauen, denn du kannst diesen Zustand ändern. Wenn man in eine chronische Krankheit hineinwächst, verliert man manchmal ein bisschen das Gefühl, wie das Leben auch noch sein könnte: unbeschwert, leicht, bunt, summend & voller Hoffnung, Zuversicht & Licht.

Ich habe mich bis Mitte zwanzig nicht wirklich mit meiner Gesundheit auseinandergesetzt, sie war einfach da. Speziell dankbar war ich dafür nicht, gesund zu sein war Normalität. Das würde sich ändern, aber nicht mit einem lauten Knall, sondern schleichend, fast so, dass man die eigene Verschlechterung laufend akzeptieren kann.

Kurz vor dreissig war die Geburt meines ersten Kindes, rückblickend waren nach der Geburt die ersten Signale dunkelrot, wurden aber, wenn ich darüber sprach, weggewischt im Sinne von: «Ja, eine Geburt ist ja auch nicht nichts» oder «ja, ein bisschen wenig Eisen, viel Blut verloren, das wird wieder». Geraten wurde mir: «Gehen Sie einfach viel an die frische Luft». Was sich hier bereits abzeichnete, zog sich durch die ganze Gesundungsreise: Ich hatte nie sichtbare Symptome & deshalb Schwierigkeiten, mir Gehör zu verschaffen. Weil ich beim Erzählen eher zurückhaltend & wenig dramatisierend agierte, kamen meine Botschaften bei Medizinern nicht wirklich an & ich wurde lange mit meinen Schilderungen allein gelassen.

Nach der Geburt des zweiten Kindes verschlechterte sich meine Gesundheit schleichend. Gewichtsverlust, obwohl ich ständig ass. Müdigkeit, obwohl ich laufend weniger unternahm. Vergesslichkeit & immer weniger Kraft, obwohl ich einst sportlich war. Medizinische Massnahmen waren damals Eiseninfusionen & der dringende Ratschlag, ich solle mich auf das Mutter-Sein konzentrieren & meine Teilzeitarbeitsstelle auflösen. Irgendwann kam fortwährendes Schwitzen hinzu, später Schwindelanfälle & irgendwann dann Panikattacken. Beides zuerst vereinzelt, dann regelmässig. Ich war empfindlich auf Gerüche, Licht & Lärm, auf Hitze wie auch Kälte. Medizinisch wurde dieser Zustand begleitet mit Eiseninfusionen & der Empfehlung von Psychopharmaka, und als ich dieser nicht folgte, meinte der Arzt: «Sie müssen sich schon helfen lassen wollen». Eine Aussage, die mich noch lange umtreiben würde.

Rund fünf Jahre nach der ersten Geburt hatte ich noch Kleidergrösse 34 anstelle von 38, die erwähnten Symptome wurden intensiver, Ein- & Schlafprobleme kamen hinzu, stechende Ganzkörperschmerzen am Morgen, Probleme mit dem Kreislauf, Herzrasen, vermehrte Kopf- & diffuse Gelenkschmerzen & auch ein paar weniger schwerwiegende Dinge wie brüchige Nägel, Brain Fog, PMS & bspw. Haarausfall. Arztbesuche wurden zur Tortur ebenso wie Treppensteigen. Meinen Lieblingsmenschen merkte man eine Kombination aus Ratlosigkeit & Sorge an. Ich selbst hatte viel Vertrauen verloren: in mich, das medizinische System & die Zukunft.

Unterstützt wurde ich von einem TCM-Professor in Akkupunktur, emotional durch die Anwendung ätherischer Öle & motiviert durch den Entdeckergeist meiner Kinder: Ich wollte so sehr gesund sein.

Anfang 2015 erhielt ich die Diagnose chronisches Erschöpfungssyndrom, was aber mehr eine Etikettierung als eine Hilfestellung war. In der Adventszeit sah eine Bekannte zufälligerweise meine Blutwerte & meinte: Diesen Wert da musst du weiter abklären. Die Dünndarmbiopsie ergab Zöliakie Marsh 3b, was einer fortgeschrittenen Rückbildung der Dünndarmzotten entsprach. Therapie ist glutenfreie Ernährung. Da stand ich nun, inmitten der duftenden Weihnachtszeit, komplett überfordert & zugleich dankbar, endlich zu wissen, was zu tun ist.

Nach den ersten Versuchen mit klassischer Ernährungsberatung verstand ich schnell, dass ich mich selbst einlesen musste. Ab hier begann meine Lernkurve zu steigen & ich lernte, meinen Körper genau zu verstehen & zu beobachten. Mit der Umstellung auf eine klassisch glutenfreie Ernährung begannen Magen- & Darmprobleme, wie ich sie noch nie hatte. Der Schwindel & die Panikattacken blieben aber sofort fern, es sei denn, wie ich bloss langsam erkannte, wenn ich Milch konsumierte. Ich lernte Zutatenlisten zu lesen & Ersatzprodukte zu meiden. Ich schnupperte in die TCM-Ernährung, dann in die Paleo Küche. Ich lernte, mich effizient in der Küche zu verhalten, vorzukochen & mitzubringen. Ich ging den Weg weiter mit mentalem Training, Aurikulomedizin, Tai-Chi, Ernährungsmedizin, Bio-Resonanz & mehr. Es war wie in einem Hamsterrad, begleitet durch mittelmässige Ratschläge & Botschaften wie: Ein autoimmuner Anteil der Krankheit bleibt bestehen, den gilt es zu akzeptieren.

Im nächsten Frühling hatte ich innerhalb einer Woche eine Milchzucker-Belastung bei einem Gastroentrologen mit der Diagnose Laktoseintoleranz, einen Sturz & einen Zeckenstich mit Wanderröte, der anschliessend mit Antibiotika behandelt wurde, das ich aber nicht vertrug. Auf einen Schlag waren alle Symptome wieder da, bloss intensiver. Ich konnte aufstehen & bis zum Sofa gehen, liegend den Alltag organisieren & abends wieder ins Bett zurückkehren. Es war der Tiefpunkt auf meiner Gesundungsreise & eine grosse Belastung für das engste Umfeld. Leider blieb dies eine Weile so, bis ich genug Energie & Mut gesammelt hatte für meinen, wie ich es nannte, letzten Versuch.

Für diesen Weg suchte ich mir einen neuen Arzt, einen Therapeuten & Homöopathen. Schritt für Schritt wurde eine Auslegeordnung gemacht & wurden Entscheidungen gefällt. Spezialisten wurden beigezogen, vertiefte Untersuchungen fanden statt, neue Diagnosen kamen hinzu & eine wurde auch wieder verworfen. Ich hatte mehr Etiketten im Sinne von Diagnosen, aber keine Lösungen. Gegen Ende des Jahres 2017 sprach mich jemand auf Medical Medium an & ich antwortete «ja, kenne ich». Ich war darauf in den sozialen Medien gestossen, ohne es wirklich zu beachten. Zuerst kaufte ich mir das Buch Medical Food, ein Coverentscheid. Was ich jedoch in diesem Buch entdeckte, war so ganz anders, der Inhalt war so neu & leicht & stimmig zu lesen. Die Neugierde war geweckt, & ich kaufte mir das nächste Buch Mediale Medizin & las es Abschnitt für Abschnitt. Ganz langsam, ich stellte nichts um, ich las einfach. Ich erkannte mich auf vielen Seiten. Es war wie ein Ankommen, ein Gefühl von Zu-Hause-Sein. Das Buch & ich waren in einem ständigen Dialog, in einem Austausch, wenn auch verbal einseitig. Durchlebte Momente mit den Medizinern wurden mir wieder präsent & ich veränderte die fiktiven & dennoch wahren Dialoge mit dem neu erworbenen Wissen. Die Gewissheit, dass es funktioniert, hatte ich nicht, aber eine Ahnung & neue Hoffnung, so dass ich 2018 mit der Umsetzung begann.

 

Langsam baute ich einzelne Tools in den Alltag ein, Zitronenwasser & Selleriesaft wurden zur Gewohnheit. Klar, zu Beginn in kleinen Mengen, später mehr. Obwohl ich bereits viel gelesen hatte, stand ich erst an der Schwelle des grossen Universums von Möglichkeiten & Wissen, das so viel mehr wie nur Ernährung ist. Ich kann mich gut an den ersten Ausflug mit meinem Entsafter erinnern, denn ich hatte so viel Hemmungen, ihn einzupacken. Das gehörte wirklich nicht zu meiner Vorstellung von normal. Bis heute hat sich Vieles in meinen Alltag eingeschlichen, das damals noch nicht normal war. Es gab zahlreiche erste Versuche, besonders gut erinnere ich mich an die entsaftete Wassermelone… Nicht alle ersten Male waren wohlfühlend. Sich vorzunehmen, auf seiner Heilungsreise keine Stolpersteine zu erleben, ist Wunschdenken, auch wer alles gelesen hat, wird kleinere & happigere Ups erleben. Dann gilt: hinschauen, verstehen, lernen, anpassen & weitermachen.

Es gab nicht den einen grossen Heilungsmoment, es waren Mini-Schrittchen. Oft stellte ich gar nicht fest, dass sich etwas verbessert hatte, bis zu dem Zeitpunkt, wo es sich wieder zeigte. Bis heute bin ich sensibel, wenn es um Tinkturen geht, oft baue ich sie über Monate auf, bis ich überhaupt einen Tropfen pro Tag symptomfrei vertrage. Da hilft es, den Weg völlig vergleichslos zu beschreiten, letztendlich gibt es meinen Weg auch nur einmal.

Ich mache keine Ausnahmen bei der Ernährung & mittlerweile isst die ganze Familie Medical Medium-konform auf unterschiedlichen Stufen & Protokollen. 2021 hatte ich während Monaten eine schwarze Zunge, ein Zeichen für tiefe Schwermetallentgiftung. Ob ich nun gesund bin? Wahrscheinlich noch nicht vollumfänglich, aber ich bin meistens symptomfrei. Arzttermine stehen kaum an, jedoch wieder Termine, bei denen ich Menschen sportlich trainieren darf. Ich darf Menschen als Trainer, Somatic Coach & bei Ernährungsumstellungen begleiten.

 

Mit den kranken Tagen habe ich mich versöhnt, durchleben möchte ich sie nicht noch einmal, jedoch bin ich dankbar, wohin sie mich getragen haben. Ich freue mich auf die Zukunft & darauf, vielen wandelmutigen Menschen zu begegnen.

Brigitte Linder, greenTERRA.blog

Februar 2022